definiere dich, sonst definieren dich andere

Heute war ich auf einem Konzert. Das ist schon ewig her, und ich hatte Angst, dass ich es kräftemäßig nicht schaffen würde. Aber es war gut. Sehr gut sogar.

Bevor ich los fuhr, schrieb ich mir noch etwas von meiner

Aufregung von der Seele. Dabei fiel mir ein, dass ich dazu neige, mich ständig von außen zu sehen und zu beurteilen. Heute wollte ich das nicht tun. Gar nicht so einfach.

Bei dem Konzert gabe es keine Plätze oder Sitze. Ein Stehkonzert. Wir waren rechtzeitig dort und hatten ziemlich weit vorne an der Seite einen guten Platz. Der Saal füllte sich, wie zu erwarten war. Beim Vorsänger (hihi, ist klar, oder?) rückte eine Frau hinter mir so nah in mich heran, dass ich jede ihrer Bewegungen spüren konnte.

Ok, dachte ich. Wird ihr ja wohl auch bald zu blöd sein, dass sie sich nicht richtig bewegen kann. Ich weiche nicht. Ich war zuerst hier. Egal was sie tat, ich bekam es Hautnah zu spüren. Nicht nur ab und zu, immer. Fand ich schon frech. Als auf der Bühne für die Hauptband umgebaut wurde, reichte es mir und ich fragte, ob das Absicht sei, oder? Sie sagte, sie könne nichts dafür. Das sei ein Stehkonzert. Wenn es richtig losginge, würde es noch schlimmer werden. Um mich herum war nirgends jemandem jemand so nah an der Pelle. Der Mann meinte noch, wenn man das nicht abkönne, müsse man halt weiter nach hinten gehen.

Ich staune immer wieder über solche Leute. Sie haben sich Zeit gelassen und sich noch irgendwie dazwischen gequetscht und sagen dann auch noch, das sei normal. Hat nur sonst auch niemand gemacht. Nicht so, jedenfalls. Neben mir wollte eine Frau an einem Mann vorbei, um sich noch dazwischen zu quetschen. Er sagte einfach nö, er wolle das nicht, weil er sonst nichts mehr sehen könne. Fand ich so gut. Das jemand so einer Dreistheit nicht nachgegeben hat. Ich spürte bei meiner Tussi, dass sie erwartet hat, dass ich Platz mache, weil mir das zu eng war und zu nervig. Wollte ich aber nicht. Interessanterweise ging es dann den gesamten Rest des Konzertes, ohne dass ich sie an der Pelle hatte. Interessant, oder?

Ein Dozent sagte einmal zu uns: Definieren sie sich, sonst werden sie von anderen definiert. Damals dachte ich: Klar, mach ich, kein Problem. Ich weiß ja jetzt Bescheid. Gar nichts ist klar. Von Wegen kein Problem. Wenn man ein Mensch ist, der nicht dazu geschaffen ist, ständig seine Ellenbogen auszufahren, ist das gar nicht so einfach, sich selber zu definieren. Denn viele Menschen legen großen Wert darauf, die Welt zu definieren, zu sagen, was und wer wie zu sein hat. Sie vertreten das vehement und lautstark. Wenn man sich dagegen behaupten will, und sei es nur, dass man sich die Definition, die einem so jemand geben will, nicht hinnimmt, dann fühlt sich das für Menschen wie mich, schon an wie Gewalt. Dann fühlt es sich an, als sein man gezwungen, doch die Ellenbogen auszufahren, obwohl man es gar nicht will, obwohl man doch nur man selber sein will und nicht überrannt und fremddefiniert. Man will niemandem seinen Willen aufzwingen, will sich nur nicht den Willen anderer aufzwingen lassen. Und doch fühlt es sich an wie Gewalt. Es gibt Menschen, die gehen davon aus, das diese Welt und so ein Konzertsaal oder auch ein Parkplatz, ihnen gehört und dass sie ein Recht darauf haben, sich so zu benehmen, wie sie es wollen. Wenn die anderen damit ein Problem haben, ist es deren Sache. Hauptsache es läuft so, dass ihre Vorstellungen durchgesetzt werden.  Es ist schwer, sich gegen sie zu behaupten, wenn man jemand ist, der darauf achtet, niemandem in seinem Lebensraum einzuengen. Muß sein.

Ich bin heute keinen Millimeter gewichen. Sie hätten ja eher kommen können. Dann hätten sie auch besser sehen können. Ich konnte gut sehen. War ein schöner Abend.

22.1.13 00:19, kommentieren

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Nächster Anlauf, nachdem mein erster Versuch gerade verschwunden ist.

Schon oft habe ich überlegt, so einen Blog zu starten, obwohl ich nicht weiß, warum es jemanden interessieren sollte, was ich zu schreiben habe. Ich tu's trotzdem mal.

Jetzt ist eine gute Zeit dafür. Die ganze Aufregung um Weihnachten legt sich langsam wieder (ja, das dauert bei mir etwas länger), und ich kann wieder ein wenig so vor mich hin denken.

Im Ofen brennt ein Feuer, dass einerseits herrlich wärmt, andererseits die Luft im Raum für sich beansprucht. Ich mag es trotzdem. Wie das so ist, jetzt, da ich hier sitze,  fällt mirnicht allzuviel sinnvolles ein, was geschrieben werden könnte. Wenn ich nachher im Bett liege, fließen die Gedanken nur so. Nur stehe ich dann nicht auf, um es aufzuschreiben.

So ist der erste Eintrag ein wenig platt. Aber so ist das Leben eben. Es besteht aus weit mehr platten Situationen als aus bedeutungstriefenden Aussagen, denen wir nächtelang hinterherspüren können.

Auf ins Leben, platt oder bergig, auf jeden Fall mal dies mal das und immer ein wenig steinig.

Bis dann

15.1.13 17:56, kommentieren